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Name: Daniel
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Bookworm and occasional writer. Interior decorator. Joint degrees in Business Studies and Economics. Wants to work in Renewable Energies or E-Mobility --> looking for job! Loves cats, good chocolate and wine. Greatest experience so far: Doing an internship in Bangalore, India. The reason you see a tree instead of my face at the picture? a) I´m a Treant. b) I don´t like being on photos. Chose your fave! ;o)

Freitag, April 11, 2008

Vergewaltigung in Leipzig

Kein schöner Titel, oder? Mir gefällt er auch nicht. Aber er passt. Leider.

Aber der Reihe nach, und selbige fängt ganz spaßig an. Vergangenen Mittwoch (9.4.08) hatte ich einen Termin in Leipzig. Ich komme am Hauptbahnhof an und muss in die Brandenburger Straße. Keine fünf Minuten zu Fuß. Hin- und Rückzu komme ich an einem Hinterhof-Tor vorbei. Ein Messingschild daneben verkündet, dass hier ein Psychiater residiert. Ich griene in mich hinein. Soviel Klischee passt in kleinen Hinterhof eigentlich nicht gar nicht rein, selbst wenn man es hochkant legen würde - und hochkant geht in den Hinterhof eine Menge rein, siehe Bild.



Zwei Zettel kleben an der Tür, eine "Ich bin im Urlaub"-Meldung und einer, der etwas bockig klingt:

"Aufgrund von Medikamentenmissbrauch, Rezeptfälschungen sowie Diebstählen im Zusammenhang mit Flunitrazepamverordnungen werde ich in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen Rezepte ausstellen."

Ich muss unweigerlich grinsen, und beschließe dieses Stilleben zu dokumentieren. Genau für solche Gelegenheiten hatte ich mir extra meine Kamera eingepackt. Wer reisen tut, der erlebt eben was!

"Der Zettel hängt schon zwei Wochen da, und noch kein wütender FluniIrgendwasLeerAusgegangener hat ihn abgerissen. Erstaunlich!", denke ich mir.

Zwischen den Zeilen springt einen die Frustration förmlich an. Trotzdem finde ich das Ganze irgendwie komisch, stelle mir einen frustrierten Hinterhofpsychiater vor, der von seinen Patienten andauernd wegen Fluni-Irgendwas übers Ohr gehauen wird, bis er schließlich kapituliert und öffentlich verkündet, dass er da nicht mehr mitmacht. Ich knipse dreimal, gehe weiter Richtung Bahnhof und beschließe, zuhause nachzuschauen, was die Leipziger dazu bringt, einem Psychiater das Leben derart schwer zu machen.

Zuhause behühe ich dann wikipedia:


Flunitrazepam (Handelsnamen u.a. Rohypnol®, Somnubene®, Somnibel®) gehört chemisch gesehen zu den Benzodiazepinen und ist mit Diazepam (Handelsname Valium®) verwandt. Es wird vorwiegend als Schlafmittel verschrieben und vor chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen und gelegentlich auch noch anschließend kurzfristig zur Beruhigung des Patienten angewendet. Das Präparat kam 1975 auf den europäischen Markt, die Vorläufer sind aber schon älter.

"Aha," denke ich mir, "ein Betäubungsmittel".
Die Erklärungen der Wirkungen und Nebenwirkungen überfliege ich, spannend wird's erst beim Missbrauch. Ich will endlich wissen, was die Klauschweine dazu treibt, ihren Psychiater zu ärgern.



In Kombination mit Alkohol oder Opioiden kann es zu einer Amnesie (Gedächtnislücke) kommen, daher hat Flunitrazepam den Ruf einer Date-Rape-Droge: Opfer von Vergewaltigungen oder anderen Straftaten können sich oft an keine Details zum Hergang erinnern. Besonders in den 90er Jahren wurden die damals farb- und geschmacklosen Tabletten für diesen Zweck missbraucht, meist indem sie Getränken beigemischt wurden.


Das Lächeln gefriert mir und gerinnt zu etwas, für das ich jetzt eigentlich ein neues Wort basteln müsste. Wer mir dabei helfen will, ein passendes Wort zu finden: Es sollte die folgende Dinge rüberbringen:

- Stirnrunzeln und Erstaunen, das in
- eine gute Portion Abscheu übergeht, außerdem
- eine Prise Verlust des Glaubens an das Gute im Menschen,
- Kopfschütteln,
- Mitleid mit dem Psychiater sowie
- der vergebliche Versuch, sich vorzustellen, was in solchen Menschen (ich meine nicht die Psychiater!) vorgeht.

Schwierig, oder? Wer ein passendes Wort findet, sage mir bitte Bescheid.

Auf der Rückfahrt war ich damit beschäftigt, mein Bild von Leipzig zu kitten. Sicher, die Stadt ist bestimmt nicht voller Vergewaltiger. Aber es muss genug Irre geben - und damit meine ich jetzt nicht verunglimpfend die regulären Patienten eines Psychiaters - genug geistige und moralische Irrläufer, damit sich ein Arzt zu so einer Mitteilung gezwungen sieht, die öffentlich am Hoftor hängt.

Sicher, irgendwo "kondensieren" oder konzentrieren sich nunmal die unangenehmen Dinge des Lebens. Bestimmt kann man auch noch Spaß auf Parties in Leipzig haben, ohne am nächsten Morgen mit Filmriss und... nein, an dieser Stelle kann ich nicht weiterschreiben. Ich kann mich nicht in die Lage eines Flunitrazepam-Opfers hineinversetzen. Ich WILL es auch gar nicht.


Ich frage mich, wieviele solche Schicksale hier begonnen haben, hinter diesem Hoftor. Die Leute, wegen denen der Zettel dort hängt, sind vorsätzliche Vergewaltiger. Niemand behummst spontan seinen Psychiater, nimmt abends die Tabletten mit auf ne Party, lässt sie heimlich in ein Glas fallen und... Stop, nicht weiterdenken.

Ich weiss nicht, ob ich jetzt noch in Leipzig auf Parties gehen will. Doch, eigentlich weiss ich es. Nein! Der Gedanke, der Kundschaft eines Hinterhof- Psychiaters über den Weg zu laufen, verdirbt einem jegliche Lust an Parties.

Weiter unten lese ich dann noch:

Flunitrazepam wird auch in bestimmten Umfeldern von Konsumenten illegaler Drogen missbraucht. Die Tabletten sind am Schwarzmarkt als „Ruppies“, „Ruffies“ oder „R2“, im deutschsprachigen Raum aber vor allem als „Flunies“ (nach dem Inhaltsstoff Flunitrazepam), „Ropse“, „Ro(s)chies“ (nach der Hersteller-Firma Roche) oder „Ropys“ bekannt. Speziell in Österreich werden häufig die Namen "Roiperl" oder "Ro" gebraucht. In Amerika sind sie vor allem als "Roaches" bekannt. Stark verbreitet ist das Mittel insbesondere in "Junkie"-Szenen, in denen Flunitrazepam - alternativ oder ergänzend zu Opiaten - zumeist gespritzt wird. Aber auch unter Partydrogen-Konsumenten ist das Mittel teilweise geläufig, u.a. zum "Runterkommen" beim Konsum halluzinogener Drogen.


Ich fasse es nicht, das Zeug hat auch noch Spitznamen. Gut, neben den Vergewaltigern wird es auch noch ven den Leuten benutzt, die "runterkommen" wollen. Irgendwie ein schwacher Trost. Jedenfalls ist mir die Lust auf Leipzig erstmal gründlich vergangen.


[Nachtrag]
Ich hab mich noch ein bisschen weiter schlau gemacht: Das Flunitrazepam-Problem ist vielschichtiger und läßt sich nicht auf Partydroge und date-raping reduzieren. Hier ein Lesetip.Arme Schweine! :o(

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3 Comments:

Blogger Sranda said...

Hey, ich glaub auch bei mir würden die gedanken Saltos schlagen. es ist furchtbar so ein Szenario auszumalen. Wollen wir mal lieber nicht weiterdenken...
Grüßli

April 25, 2008 1:52 PM  
Anonymous Anonym said...

Muito interessante...
Was es alles gibt - Tippe aber mehr auf Junkies als auf Vergewaltiger.

Gruß
Felix

Mai 13, 2008 11:01 PM  
Anonymous Anonym said...

Hallo wie du ja schon bemerkt hast sollt eman nicht alles glauben was im Internet steht, da der größte Teil des "illegal" abgezweigten Flunitrazepams auf die Drogenscene gelangt. Dort wird es hauptsächlich zusammenmit Heroin aufgekocht und gespritzt um die Wirkung zu verstärken. Ausserdem bekommt man eine gute Menge Geld dafür um sich andere Drogen zu kaufen, was auch den Diebstall einfach erklärtt denn für ne Vergewaltigung brqaucht man sicher keine Packungen bis man auffliegt hoffe ich...nichts für ungut ich seh ja du hast kein Plan vom Thema!

Februar 07, 2009 5:43 AM  

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