Veränderung durch Kämpfen?
Inspiriert von: “If They Give You Lined Paper, Write Sideways”, Seiten 92-95
Kämpfen gehört zu den Grundsäulen unserer Gesellschaft. Fast alles, was wir verändern wollen, wird erkämpft: Wir bekämpfen die Armut, den Hunger, den Analphabetismus, die Ungerechtigkeit. Im Sozialismus gab es keine Arbeiter, sondern Soldaten der Arbeit. Das aktuellste Beispiel ist der „war on terror“.
Warum ist das so? Liegt uns das Kämpfen im Blut, in unseren Genen? Sind wir Menschen von Natur aus eine kriegerische Rasse? Oder kann es sein, dass es nur unsere Gesellschaft (a.k.a. „Zivilisation“) ist, die uns so kriegerisch macht? Zugegeben: Die letzte Frage war nur rhetorisch… und führt von der zentralen Frage weg. Die Frage nach dem „Warum“ hat ein eigenes Posting verdient, später. Daher zurück zu „Veränderung durch Kämpfen“.
Buckminster Fuller bringt es auf den Punkt: „You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete“.
Man kann die Einstellung anderer (der Gesellschaft) nicht ändern, indem man sie (die Einstellung) bekämpft. Veränderung erreicht nur, wer eine Alternative anbietet, die besser ist als die aktuelle Denkweise.
Victor Hugo’s meinte: "Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Eine bessere Alternative muss sich ganz einfach durchsetzen, weil die Menschen sie als solche erkennen und die alte Einstellung zugunsten der neuen aufgeben. Um Fullers Metapher zu verwenden: Sobald ein neues Modell im Umlauf ist, das ein altes obsolet macht, kann keine Macht der Welt diesen Wandel mehr aufhalten.
Das ist beinahe ein Naturgesetz. Man kann eine solche Idee genauso schwer bekämpfen, wie man verhindern kann, dass Wasser von oben nach unten fließt: Man kann es eine Weile lang stauen und aufhalten, aber letztendlich wird es den Damm sprengen oder ihn ganz einfach überfluten, darüber hinweg fließen und sich einen Weg nach unten suchen.
Diese Denkweise muss sich zu eigen machen, wer einen nachhaltigen Weg finden will, wie wir leben können, ohne uns selbst die Lebensgrundlage zu entziehen. Die jetzige Lebensart ist langfristig nicht aufrecht zu erhalten und würd dazu führen, dass wir uns unsere eigene Lebensgrundlage zerstören. Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen. "Mit Feuereifer", könnte man ergänzen - und damit rhetorisch gewitzt auf die Rodung der Regenwälder verweisen...
Diese Erkenntnis ist inzwischen bei Vielen angekommen. Aber noch sind die allermeisten Mitglieder unserer Gesellschaft nicht bereit, dementsprechend zu handeln und Konsequenzen daraus zu ziehen. Der Umstieg von fossiler auf erneuerbere Energien ist keine Frage der Machbarkeit mehr, sondern nur noch eine des Geldes. Billige Energie ist die Grundlage unserer jetzigen Lebensweise, und eine nachhaltige Lebensweise ist nur möglich, wenn wir unsere jetzige aufgeben. Dazu ist die Mehrheit der Mitglieder unserer Gesellschaft nicht bereit – noch nicht.
Die Mehrheit hält an der jetzigen Lebensart fest. Aber sie zu bekämpfen führt nicht zum Ziel. Wandel hin zu Nachhaltigkeit erreicht nur, wer überzeugend darstellen kann, dass eine nachhaltige Lebensart besser als unsere jetzige Lebensart ist.
Hier ein Beispiel, das von meiner Diplomarbeit inspiriert ist, an der ich gerade schreibe: Elektroautos werden sich erst durchsetzen, wenn sie als die besseren Autos angesehen werden – und nicht, weil es Demonstrationen gegen Verbrennungsmotoren gibt oder Fahrverbote gegen hoher Feinstaubbelastung. Wenn die erste Firma eine erfolgreiche Markteinführung eines Elektroautos vorgemacht hat, hat die letzte Stunde für alles geschlagen, was Benzin oder Diesel schluckt. Die etablierten Autohersteller werden entweder selbst auf Elektroautos umstellen müssen – oder über kurz oder lang von der Bildfläche verschwinden.
Niemand würde erwarten dass eine neue Firma erfolgreich ist, die Verbrennungsmotoren bekämpft oder die auf Politiker wartet, die Verbrennungsmotoren verbieten werden. Erfolgreich kann nur sein, wer ein besseres Auto anbietet. Victor Hugo und Buckminster Fuller würden sich heute nicht für Feinstaub-Fahrverbote einsetzen, sondern an Elektroautos bauen.
Dasselbe trifft auf uns und unsere jetzige, nicht nachhaltige Lebensart zu. Daniel Quinn formuliert es in seinem Aufsatz „The New Renaissance“ sinngemäß so: Wenn es in 200 Jahren noch Menschen gibt, haben sie gelernt, nachhaltig zu leben – oder es gibt keine Menschen mehr. Wir haben dieselbe Wahl wie die heutigen, etablierten Autofirmen: Entweder wir ändern uns – oder wir werden verschwinden.
Und da eigentlich alles besser ist als auszusterben, sollte es doch leicht sein, unsere Lebensart zu ändern, oder? Dieser Gedanke macht Mut und ist der Grund dafür, warum ich Optimist bin: Das ist die Idee, deren Zeit gekommen ist – jetzt muss sie sich nur noch schnell genug durchsetzen! Fast hätte ich jetzt geschrieben „Dafür kämpfe ich“… (c:
Kämpfen gehört zu den Grundsäulen unserer Gesellschaft. Fast alles, was wir verändern wollen, wird erkämpft: Wir bekämpfen die Armut, den Hunger, den Analphabetismus, die Ungerechtigkeit. Im Sozialismus gab es keine Arbeiter, sondern Soldaten der Arbeit. Das aktuellste Beispiel ist der „war on terror“.
Warum ist das so? Liegt uns das Kämpfen im Blut, in unseren Genen? Sind wir Menschen von Natur aus eine kriegerische Rasse? Oder kann es sein, dass es nur unsere Gesellschaft (a.k.a. „Zivilisation“) ist, die uns so kriegerisch macht? Zugegeben: Die letzte Frage war nur rhetorisch… und führt von der zentralen Frage weg. Die Frage nach dem „Warum“ hat ein eigenes Posting verdient, später. Daher zurück zu „Veränderung durch Kämpfen“.
Buckminster Fuller bringt es auf den Punkt: „You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete“.
Man kann die Einstellung anderer (der Gesellschaft) nicht ändern, indem man sie (die Einstellung) bekämpft. Veränderung erreicht nur, wer eine Alternative anbietet, die besser ist als die aktuelle Denkweise.
Victor Hugo’s meinte: "Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Eine bessere Alternative muss sich ganz einfach durchsetzen, weil die Menschen sie als solche erkennen und die alte Einstellung zugunsten der neuen aufgeben. Um Fullers Metapher zu verwenden: Sobald ein neues Modell im Umlauf ist, das ein altes obsolet macht, kann keine Macht der Welt diesen Wandel mehr aufhalten.
Das ist beinahe ein Naturgesetz. Man kann eine solche Idee genauso schwer bekämpfen, wie man verhindern kann, dass Wasser von oben nach unten fließt: Man kann es eine Weile lang stauen und aufhalten, aber letztendlich wird es den Damm sprengen oder ihn ganz einfach überfluten, darüber hinweg fließen und sich einen Weg nach unten suchen.
Diese Denkweise muss sich zu eigen machen, wer einen nachhaltigen Weg finden will, wie wir leben können, ohne uns selbst die Lebensgrundlage zu entziehen. Die jetzige Lebensart ist langfristig nicht aufrecht zu erhalten und würd dazu führen, dass wir uns unsere eigene Lebensgrundlage zerstören. Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen. "Mit Feuereifer", könnte man ergänzen - und damit rhetorisch gewitzt auf die Rodung der Regenwälder verweisen...
Diese Erkenntnis ist inzwischen bei Vielen angekommen. Aber noch sind die allermeisten Mitglieder unserer Gesellschaft nicht bereit, dementsprechend zu handeln und Konsequenzen daraus zu ziehen. Der Umstieg von fossiler auf erneuerbere Energien ist keine Frage der Machbarkeit mehr, sondern nur noch eine des Geldes. Billige Energie ist die Grundlage unserer jetzigen Lebensweise, und eine nachhaltige Lebensweise ist nur möglich, wenn wir unsere jetzige aufgeben. Dazu ist die Mehrheit der Mitglieder unserer Gesellschaft nicht bereit – noch nicht.
Die Mehrheit hält an der jetzigen Lebensart fest. Aber sie zu bekämpfen führt nicht zum Ziel. Wandel hin zu Nachhaltigkeit erreicht nur, wer überzeugend darstellen kann, dass eine nachhaltige Lebensart besser als unsere jetzige Lebensart ist.
Hier ein Beispiel, das von meiner Diplomarbeit inspiriert ist, an der ich gerade schreibe: Elektroautos werden sich erst durchsetzen, wenn sie als die besseren Autos angesehen werden – und nicht, weil es Demonstrationen gegen Verbrennungsmotoren gibt oder Fahrverbote gegen hoher Feinstaubbelastung. Wenn die erste Firma eine erfolgreiche Markteinführung eines Elektroautos vorgemacht hat, hat die letzte Stunde für alles geschlagen, was Benzin oder Diesel schluckt. Die etablierten Autohersteller werden entweder selbst auf Elektroautos umstellen müssen – oder über kurz oder lang von der Bildfläche verschwinden.
Niemand würde erwarten dass eine neue Firma erfolgreich ist, die Verbrennungsmotoren bekämpft oder die auf Politiker wartet, die Verbrennungsmotoren verbieten werden. Erfolgreich kann nur sein, wer ein besseres Auto anbietet. Victor Hugo und Buckminster Fuller würden sich heute nicht für Feinstaub-Fahrverbote einsetzen, sondern an Elektroautos bauen.
Dasselbe trifft auf uns und unsere jetzige, nicht nachhaltige Lebensart zu. Daniel Quinn formuliert es in seinem Aufsatz „The New Renaissance“ sinngemäß so: Wenn es in 200 Jahren noch Menschen gibt, haben sie gelernt, nachhaltig zu leben – oder es gibt keine Menschen mehr. Wir haben dieselbe Wahl wie die heutigen, etablierten Autofirmen: Entweder wir ändern uns – oder wir werden verschwinden.
Und da eigentlich alles besser ist als auszusterben, sollte es doch leicht sein, unsere Lebensart zu ändern, oder? Dieser Gedanke macht Mut und ist der Grund dafür, warum ich Optimist bin: Das ist die Idee, deren Zeit gekommen ist – jetzt muss sie sich nur noch schnell genug durchsetzen! Fast hätte ich jetzt geschrieben „Dafür kämpfe ich“… (c:
Labels: Daniel Quinn, Welt verbessern


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