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Name: Daniel
Standort: Chemnitz, Sachsen, Germany

Bookworm and occasional writer. Interior decorator. Joint degrees in Business Studies and Economics. Wants to work in Renewable Energies or E-Mobility --> looking for job! Loves cats, good chocolate and wine. Greatest experience so far: Doing an internship in Bangalore, India. The reason you see a tree instead of my face at the picture? a) I´m a Treant. b) I don´t like being on photos. Chose your fave! ;o)

Dienstag, Juni 09, 2009

Freie Waehler im Aufwind: Gedanken zur Kommunalwahl 2009

Zumindest in Sachsen haben die Freien Wähler aufällig stark abgeschnitten. Hier ein paar Gedanken dazu...


Freie Wähler im Aufwind, aus: SACHSENSPIEGEL Sendung vom: 08.06.09 | 19:00 Uhr
http://ardmediathek.de/ard/servlet/content/2524750

Zwei sinngemäße Zitate aus diesem Beitrag:

Wir brauchen Macher! Meckerer bringen nichts weiter.“ (Joachim Rolle)

"Die Parteipolitische Frage ist zweitrangig. Die Sachfragen stehen im Vordergrund und die Bürger messen uns an den erreichten Ergebnissen.“ (Jürgen Kästner)


Das Wahlergebnis der Freien Wähler in den sächsischen Gemeinden ist beeindruckend: Hier sind die Parteilosen auf Anhieb zweitstärkste Kraft hinter der CDU 32,7 %) geworden und hat mit 24,4 % exakt soviele Stimmen bekommen wie eine „Ampel“ aus SPD (10,9 %), FD
P (8,3 %) und den Grünen (5,1 %).


http://www.mdr.de/I/6424212.gif

Quelle: http://www.mdr.de/sachsen/6424007.html




Freie Wähler gibt es schon lange, aber diese Wahl scheint mir trotzdem etwas besonderes zu sein. Ich denke, dass sie eng mit dem Phänomen „Politikverdrossenheit“ zusammenhängen, aber im Gegensatz zu dem, was sich an den rechten und linken Rändern tummelt, sind die Freien Wähler nicht von Protestwählern im klassischen Sinne groß geworden. Vielleicht hat der Eine oder Andere „FW“ gewählt, weil er von den parteigebundenen „Volksvertretern“ die Nase voll hat, aber wieder(!)gewählt werden sie oft, weil sie gezeigt haben, dass sie tatsächlich die bessere Alternative sind.

Zugegeben, die sächsische NPD hat die Zahl ihrer Sitze verdreifachen können. Ich interpretiere das ebenfalls als Ausdruck von Politikverdrossenheit. Aber im Gegensatz zu den Freien Wählern glaube ich nicht, dass die ganz Rechten (oder die ganz Linken) auch in Zukunft nachhaltig gute Wahlergebnisse haben werden. Ich vermute, dass ihre Wählerbasis Stück für Stück bröckeln wird und sich ebenfalls Richtung „FW“ bewegen wird. Warum?

Weil Freie Wähler nicht auftreten, um „Schnauze voll!“ zu rufen, sondern um konkrete Probleme zu lösen. Die meisten dieser Gruppen haben ein oder mehrere ganz spezifische Sachthemen, die sie in den Mittelpunkt stellen und wo sie etwas erreichen wollen. Die Menschen bemerken dann recht schnell, ob die gewählten FW’s tatsächlich „Macher“ sind oder nicht – und eine Wahlperiode später wird dann ganz pragmatisch ausgesiebt. Die Guten werden wiedergewählt, die Schlechten treten entweder gar nicht wieder an oder fliegen raus.

Eine der interessantesten Fragen ist, wie Freie Wähler mit Problemen umgehen, die außerhalb ihres Interessengebietes (und damit Wahlprogramms) liegen: Versagt eine Wählervereinigung, die vorrangig Spielplätze, Kitas und Schulen modernisieren möchte, genauso (oder schlimmer) als die parteigebundenen Abgeordneten, wenn es z.B. um Steuerfragen oer Umweltauflagen geht? Gut möglich, aber zumindest sind Freie Wähler nicht durch parteipolitische Ränkespiele gebunden und können sich den auf kommunaler Ebene dringend benötigten Pragmatismus leisten, der notwendig ist, um Probleme effizient zu lösen.

Meine Vermutung: Die Wähler werden das honorieren und die FW’s werden in Zukunft weiter wachsen. Was vielerorts „auf dem Dorf“ beginnt, wird sich nach und nach auch in den Städten bemerkbar machen. Gut so! Vielleicht sehen wir hier den Beginn einer neuen Politik-Ära: Pragmatische Lösungen statt Parteipolitischer Querelen. Wenn das auf kommunaler Ebene funktioniert, dann sicher auch weiter oben.

Denn letztlich gilt auch hier der kluge Satz von Buckminster Fuller:
„You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete“ (siehe Postings vom 22.07.2008 und 19.07.2008). Es setzt sich langfristig eben das durch, was besser funktioniert. Und da man mit Protest allein keine Probleme löst, sehe ich langfristig auch eher weniger die Gefahr, dass die rechten und/oder linken Ränder nachhaltigen Zulauf bekommen - es sei denn, sie lernen vom Erfolg der Parteilosen und eignen sich eine ähnliche Problemlösungskompetenz an.

Natürlich sind Freie Wähler keine Heiligen. Auch hier gibt es, wie überall, Probleme. Aber wie es aussieht, funktionieren die Selbstheilungskräfte bei ihnen besser als in den alten Parteien, deren „Parteifilz“ bisher jeder Reform widerstanden hat. Ein Beispiel dafür ist der Ausschluss von ehemaligen Schill-Parteimitgliedern (siehe hier: „Nachgehakt: Freie Wähler ziehen Konsequenzen“: report MÜNCHEN, Sendung vom 20.04.09 http://ardmediathek.de/ard/servlet/content/2224418 )

Wer weiß? Vielleicht sind Parteipolitiker in ein paar Jahren auch in Bundestag und –rat in der Minderheit? Umgeben von Fachleuten, die sich nicht nur auf ihrem jeweiligen Gebiet auskennen, sondern auch noch flexibel, weil ungehindert von parteipolitischen Einschränkungen, handeln können. „Macher“ eben.


Mehr Artikel zu den Freien Wählern in der ARD Mediathek:
http://ardmediathek.de/ard/servlet/content/2572?tagId=9546

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Donnerstag, Juni 26, 2008

350 - A number worth knowing

Ohne große Vorrede:



Wer's gelesen hat: WEITERSAGEN und -BLOGGEN!

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Freitag, Oktober 27, 2006

Dies und das...

...einige mehr oder weniger wirre Gedanken, inspiriert von Schnappschüssen der letzten Wochen:

Massenhaft im Luxus, oder: der indische Immobilienmarkt

Indien platzt aus allen Nähten, scheint es. Überall wird gebaut, gebaut, gebaut. Alte Gebäude werden abgerissen(1), neue in Windeseile darübergebaut. Die "grüne Wiese" wird zunehmend nach außen verschoben, und wer heute noch ein ruhiges Häusschen in einem Vorort hatte, sieht sich morgen von Baustellen umgeben und wacht übermorgen im Herzen eines neuen Stadtteils auf, Ruhe adè.

(1)per Hand natürlich, und auch der Schutt wird manuell nach allem(!) recyclingwürdigen durchsucht - in Deutschland absolut undenkbar!

Natürlich gibt es mehr Menschen als Platz, und daher schießen Projekte wie dieses wie Betonpilze aus der roten Erde:


http://www.flickr.com/photos/23109322@N00/278923338/

Die indische Wirtschaft

...und es gibt genügend Leute, die sich das leisten können und wollen! Indien wächst mit atemberaubenden 9-10% - JÄHRLICH!

http://www.flickr.com/photos/23109322@N00/278923386/

Zugegeben, von einem anderen Niveau aus als Deutschland, aber trotzdem... der Unterschied ist nur schwer zu erklären, der allgemeine Optimismus hier war vollkommen neu für mich, und das wird wohl auch eines der Dinge sein, an die ich mich Zuhause erst wieder gewöhnen muss: die "deutsche Krankheit" - Rumjammern.

"Die Inder" (2) kaufen was das Zeug hält. Immobilien, Handies, Mode, Computer, Schmuck- vor allem Gold ist unheimlich beliebt: http://www.flickr.com/photos/23109322@N00/278923480/

(2) Ich rede natürlich nur von der Mittel- und Oberschicht; die 300-400 Millionen unterhalb der Armutsgrenze haben ganz andere Probleme als Luxusapartments und Goldschmuck. Und trotz dass es unzählige Programme zur Armutsbekämpfung gibt: bisher hat keines einen wirklich spürbaren Effekt gezeigt. Siehe hier:

http://www.flickr.com/photos/23109322@N00/280452012/

Und während der "bottom of the pyramid" froh ist, wenn er etwas zwischen die Kiemen bekommt und ein Dach über dem Kopf hat, job-hoppen die Oberen beim kleinsten Ungemach fröhlich herum: http://www.flickr.com/photos/23109322@N00/280465104/ ...was nicht nur für die Unterschicht unvorstellbar wäre, sondern selbst für Deutschland kaum denkbar ist!

Zwischenfazit: Indien ist anders. :o)



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Mittwoch, Oktober 25, 2006

India in numbers

Habe einen interessanten Artikel im SPIEGEL über Indien gefunden:

Aufstieg zur Wirtschaftsweltmacht: Indiens urbaner Rausch

Wem der Artikel zu lang ist (4 A4-Seiten): hier die destillierten Zahlen.

350 Mio.Bevölkerung Indiens in 1947 (Jahr der Unabhängigkeit)
1.1 Mrd.Bevölkerung Indiens heute
50%Anteil der Inder, die heute unter 25 Jahre alt sind
5%Anteil der Inder im Pensionsalter (65 Jahre)
19%Anteil der Deutschen im Pensionsalter (65 Jahre)
40%Anteil Chinas und Indiens an der Weltbevölkerung
2034Jahr, in dem Indien (dann 1.46 Mrd) größer als China sein wird
2050Jahr, in dem in Indien mehr als 1.6 Mrd. Menschen leben werden
70%Anteil der bäuerlichen Bevölkerung in Indien
3%Jährliches Wachstum der Agrarwirtschaft
25%Anteil der bäuerlichen Bevölkerung in Indien am Bruttosozialprodukt
60%Anteil am Bruttosozialprodukt, das in den Metropolen erwirtschaftet wird
38%Anteil der Börse in Mumbai an der gesamtindischen Steuerleistung
19 Mio.Anzahl der Einwohner Mumbai´s. Genauso viele leben in Australien
400.000Anzahl der Menschen, um die Mumbai jährlich wächst
60%Anteil der Bevölkerung von Mumbai, die in Slums leben
2 Mio.Bevölkerung von Mumbai, die keinen Zugang zu Latrinen haben
30Anzahl der Millionenstädte in Indien
15%Wachstumsrate der Konsumausgaben der indischen Mittelschicht seit 2002
570Prognostizierte Anzahl der Airbusse, die Indien bis 2033 kaufen wird
500Prognostizierte Anzahl der Boeings, die Indien bis 2033 kaufen wird
4000Anzahl der Piloten, die in den nächsten 5 Jahren eingestellt werden sollen
3Anzahl der Shopping Center in ganz Indien 2001
350Anzahl der Shopping Center in ganz Indien 2007
85.000Anzahl der Besucher, die am Wochenende in ein(!) "Shoppertainment"-Center gehen
250 Mio.Geschätzte Größe der Konsumfreudigen indischen Mittelschicht (gleiches Potential wie in Westeuropa)
30%Wachstumsrate der Immobilienhypotheken
40 Mio.Anzahl der indischen Internetnutzer Ende 2005
65.000 kmLänge des indischen Straßennetzes
5.800 kmLänge des Autobahnnetzes, das zwischen Delhi, Kalkutta, Chennai und Mumbai modernisiert werden soll
80.000Anzahl der jährlichen Verkehrstoten in Indien
26%offizielle Anteil der Inder, die unterhalb der Armutsgrenze (1$/Tag) leben
35%realistischer Anteil der Inder, die unterhalb der Armutsgrenze (1$/Tag) leben
25 CentKosten für die tägliche Versorgung mit 2095 Kalorien auf dem Land
35 CentKosten für die tägliche Versorgung mit 2095 Kalorien in der Stadt
127Platz Indiens auf dem Lebensstandard-Index der Vereinten Nationen (hinter Botswana und Palästina)
>6 Mio.Anzahl der AIDS- Kranken in Indien
>50%Anteil der Inder, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und Strom
>50%Anteil der Kinder, die unterernährt sind
25%Anteil der Kinder, die nicht zur Schule gehen
66%Anteil der Kinder, die mit unter 5 Jahren an Lungenentzündung oder Diarrhö sterben

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Dienstag, September 19, 2006

Death and Taxes

Eigentlich wollte ich einigermaßen unpolitisch bleiben, hier im Blog meine ich. Aber wie das mit Guten Vorsätzen nunmal so ist... ;o)

Wolltet ihr schon immer mal wissen, wieviel "die Amis" wofür ausgeben, aber OHNE vorher einen Schnellkurs in Buchhaltung belegen zu müssen? Well, here it is: "Death and Taxes"!

Kleines Bild


Großes Bild (1.8 MB, Resolution 3870 x 2579)
http://www.deviantart.com/deviation/39894058/

Webseite: http://thebudgetgraph.com/


...Was man daraus lernen kann?

Beispielsweise dass für Unbemannte Militärische Flugzeuge (auch "Drohnen" genannt) mehr als 150 soviel ausgeben wird, wie das Department of Government Ethics zur Verfügung ha (1.686B$ vs. 0.011B$).

Dass das Budget der Geheimdienste ("Intelligence Budget") mit 44B$ nur unwesentlich kleiner als das Bildungsbudget (54B$) ist.

Dass die National Science Foundation (6B$) halb soviel Dollars verschlingt wie der Sold der US Marines (11B$). Das Personalbudget der Navy ist nochmal mehr als doppelt so groß (27B$).


...und so weiter. Fazit: 2/3 gehen ans Militär, 1/3 für den Rest. Und die Staatsschulden belaufen sich auf locker-flockige 9.350 TRILLIONEN $. Ohne weiteren Kommentar.

Ich würde ja jetzt vor mich hin-sinnieren, ob diese Schulden jemals zurückgezahlt werden können und ob sich irgendein anderes Land auf diesem Planeten so etwas leisten kann. Für mich als BWL-und VWL-Student ist es keine Frage, OB das in eine Wirtschaftskrise führen wird, sondern nur WANN. Damit verbunden sind Fragen wie die nach einem langfristig stabilen Geldsystem (Stichworte: Golddeckung, Zinseszins-Effekt, alternative Währungssysteme).

Und nebenbei darf sich der geneigte Leser fragen, warum
M3, das breiteste Maß der Geldmenge, nicht mehr veröffentlich wird. (Wir berichteten. ;o) )






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Donnerstag, Dezember 08, 2005

Harold Pinter wins Nobel Prize for Literature

I've read Harold Pinters Nobel Lecture, and I am really impressed.

Not that it reveals any new facts - what we already know is troubling enough. What impresses me is the way he criticizes what might cynically be called the "Pax Americana": He puts into words what the majority of the global population thinks, without lapsing into demagogy. You can feel a genuine and earnest bitterness in his words, and I hope that his speech will get enough coverage from the media to wake up enough people to create a "critical mass" that developes into a movement powerful enough to change what Pinter condemns. The most important people to hear (or read) his speech are, of course, the Americans. Only they can straighten out what was done during the last presidential election.

Harold Pinter - Nobelvorlesung: Kunst, Wahrheit & Politik

Harold Pinter - Nobel Lecture: Art, Truth & Politics

I don't think these links will dissapear anytime soon, but just to be sure I'll post some excerpts from Pinter's speech.


...found on
N-TV:

Donnerstag, 8. Dezember 2005
Wenig nobel
Pinter fordert Prozess gegen Bush und Blair


Der diesjährige Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter hat in seiner Rede zur Preisverleihung gefordert, US-Präsident Bush und den britischen Premier Blair vor den Internationalen Strafgerichtshof zu stellen. Das sei angesichts hunderttausender Toter "nur gerecht", sagte der krebskranke Künstler in einer Videobotschaft.

"Erbärmliches Großbritannien"
Der Dramatiker warf Washington vor, nach dem Zweiten Weltkrieg "jede rechte Militärdiktatur" unterstützt zu haben. Das "erbärmliche Großbritannien" sei diesen systematischen Verbrechen wie "ein blökendes Lämmchen" gefolgt. "Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig", so Pinter.

"Bösartige Wucherung"
Allerdings sei Bush "clever" gewesen und habe das internationale Gericht anders als Blair - gar nicht erst anerkannt. Für beide sei aber der Tod "eine Lappalie" etwa der der 100.000 Iraker, die durch amerikanische Bomben und Raketen umgekommen seien, bevor der irakische Aufstand begonnen habe. Immer wieder zerstörten die USA souveräne Staaten mittels Korruption und verdeckter Gewalt. Man infiziere "das Herz des Landes", setze "eine bösartige Wucherung" in Gang und sehe zu, wie "der Faulbrand" erblühe: "Ist die Bevölkerung unterjocht worden oder totgeprügelt - es läuft auf dasselbe hinaus - und sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen Kapitalgesellschaften bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera und sagt, die Demokratie habe sich behauptet".

"brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos"
"Die Invasion des Irak war ein Banditenakt, ein Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung des Prinzips von internationalem Recht demonstrierte", so Pinter weiter. Auch hier setzten die USA "brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos" ihre Interessen durch. Aller "kollossalen Widrigkeiten zum Trotz" falle allen Bürgern die Pflicht zu, unerschrocken, unbeirrbar und entschlossen "die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen". Sonst könnten man nicht mehr hoffen, "das wiederherzustellen, was wir schon fast verloren haben die Würde des Menschen". Pinter wurde der Nobelpreis im Oktober zuerkannt, da er "in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz" freilege und "in den geschlossenen Raum der Unterdrückung" einbreche, so das zuständige Komitee. In der "bibliografischen Notiz" der Akademie heißt es, seit 1973 habe sich der Autor und Regisseur auch "als Vorkämpfer der Menschenrechte ausgezeichnet".


...excerpts from German speech:

1958 schrieb ich folgendes: Es gibt keine klaren Unterschiede zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist, genauso wenig wie zwischen dem, was wahr und dem was unwahr ist. Etwas ist nicht unbedingt entweder wahr oder unwahr; es kann beides sein, wahr und unwahr. Ich halte diese Behauptungen immer noch für plausibel und weiterhin gültig für die Erforschung der Wirklichkeit durch die Kunst. Als Autor halte ich mich daran, aber als Bürger kann ich das nicht. Als Bürger muss ich fragen: Was ist wahr? Was ist unwahr?

(...)

Wie jeder der hier Anwesenden weiß, lautete die Rechtfertigung für die Invasion des Irak, Saddam Hussein verfüge über ein hoch gefährliches Arsenal an Massenvernichtungswaffen, von denen einige binnen 45 Minuten abgefeuert werden könnten, mit verheerender Wirkung. Man versicherte uns, dies sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der Irak unterhalte Beziehungen zu al-Qaida und trage Mitverantwortung für die Gräuel in New York am 11. September 2001. Man versicherte uns, dies sei wahr. Es war nicht die Wahrheit. Man erzählte uns, der Irak bedrohe die Sicherheit der Welt. Man versicherte uns es sei wahr. Es war nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit sieht völlig anders aus. Die Wahrheit hat damit zu tun, wie die Vereinigten Staaten ihre Rolle in der Welt auffassen und wie sie sie verkörpern wollen.

Doch bevor ich auf die Gegenwart zurückkomme, möchte ich einen Blick auf die jüngste Vergangenheit werfen; damit meine ich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Ich glaube, wir sind dazu verpflichtet, diesen Zeitraum zumindest einer gewissen, wenn auch begrenzten Prüfung zu unterziehen, mehr erlaubt hier die Zeit nicht.

Jeder weiß, was in der Sowjetunion und in ganz Osteuropa während der Nachkriegszeit passierte: die systematische Brutalität, die weit verbreiteten Gräueltaten, die rücksichtslose Unterdrückung eigenständigen Denkens. All dies ist ausführlich dokumentiert und belegt worden.

Aber ich behaupte hier, dass die Verbrechen der USA im selben Zeitraum nur oberflächlich protokolliert, geschweige denn dokumentiert, geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt als Verbrechen wahrgenommen worden sind. Ich glaube, dass dies benannt werden muss, und dass die Wahrheit beträchtlichen Einfluss darauf hat, wo die Welt jetzt steht. Trotz gewisser Beschränkungen durch die Existenz der Sowjetunion, machte die weltweite Vorgehensweise der Vereinigten Staaten ihre Überzeugung deutlich, für ihr Handeln völlig freie Hand zu besitzen.

Die direkte Invasion eines souveränen Staates war eigentlich nie die bevorzugte Methode der Vereinigten Staaten. Vorwiegend haben sie den von ihnen sogenannten Low Intensity Conflict favorisiert. Low Intensity Conflict bedeutet, dass tausende von Menschen sterben aber langsamer als würde man sie auf einen Schlag mit einer Bombe auslöschen. Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut wie der Faulbrand erblüht. Ist die Bevölkerung unterjocht worden oder totgeprügelt es läuft auf dasselbe hinaus und sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen Kapitalgesellschaften, bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera und sagt, die Demokratie habe sich behauptet. Das war in den Jahren, auf die ich mich hier beziehe, gang und gäbe in der Außenpolitik der USA.

Die Tragödie Nicaraguas war ein hochsignifikanter Fall. Ich präsentiere ihn hier als schlagendes Beispiel für Amerikas Sicht seiner eigenen Rolle in der Welt, damals wie heute.

Ende der 80er Jahre nahm ich an einem Treffen in der amerikanischen Botschaft in London teil.

Der Kongress der Vereinigten Staaten sollte entscheiden, ob man die Contras in ihrem Feldzug gegen den nicaraguanischen Staat mit mehr Geld unterstützt. Ich gehörte der Delegation an, die für Nicaragua sprach, doch das wichtigste Delegationsmitglied war Father John Metcalf. Der Leiter der amerikanischen Gruppe war Raymond Seitz (damals nach dem Botschafter die Nummer Zwei, später selber Botschafter). Father Metcalf sagte: Sir, ich leite eine Gemeinde im Norden Nicaraguas. Meine Gemeindeglieder haben eine Schule gebaut, ein medizinisches Versorgungszentrum, ein Kulturzentrum. Wir haben in Frieden gelebt. Vor einigen Monaten griffen Contratruppen die Gemeinde an. Sie zerstörten alles: die Schule, das medizinische Versorgungszentrum, das Kulturzentrum. Sie vergewaltigten Krankenschwestern und Lehrerinnen, schlachteten die Ärzte aufs brutalste ab. Sie benahmen sich wie Berserker. Bitte fordern Sie, dass die US-Regierung diesen empörenden terroristischen Umtrieben die Unterstützung entzieht.

Raymond Seitz besaß einen ausgezeichneten Ruf als rationaler, verantwortungsbewusster und hoch kultivierter Mann. Er genoss in diplomatischen Kreisen großes Ansehen. Er hörte genau zu, zögerte und sprach dann mit großem Ernst. Father, sagte er, ich möchte Ihnen etwas sagen. Im Krieg leiden immer Unschuldige. Es herrschte eisiges Schweigen. Wir starrten ihn an. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper.
In der Tat, Unschuldige leiden immer.

Schließlich sagte jemand: Aber in diesem Fall waren die ,Unschuldigen Opfer einer durch Ihre Regierung subventionierten, entsetzlichen Gräueltat, einer von vielen. Sollte der Kongress den Contras mehr Geld bewilligen, wird es zu weiteren Gräueln kommen. Ist dem nicht so? Macht sich Ihre Regierung damit nicht der Unterstützung von Mordtaten und Vernichtungswerken schuldig, begangen an Bürgern eines souveränen Staates?

Seitz ließ sich durch nichts erschüttern. Ich bin nicht der Auffassung, dass die vorliegenden Fakten Ihre Behauptungen stützen, sagte er.

Beim Verlassen der Botschaft sagte mir ein US-Berater, er schätze meine Stücke. Ich reagierte nicht.

Ich darf Sie daran erinnern, dass Präsident Reagan damals folgendes Statement abgab: Die Contras stehen moralisch auf einer Stufe mit unseren Gründervätern.

Die Vereinigten Staaten unterstützten die brutale Somoza-Diktatur in Nicaragua über 40 Jahre. Angeführt von den Sandinisten, stürzte das nicaraguanische Volk 1979 dieses Regime, ein atemberaubender Volksaufstand.

Die Sandinisten waren nicht vollkommen. Auch sie verfügten über eine gewisse Arroganz, und ihre politische Philosophie beinhaltete eine Reihe widersprüchlicher Elemente. Aber sie waren intelligent, einsichtig und zivilisiert. Sie machten sich daran, eine stabile, anständige, pluralistische Gesellschaft zu gründen. Die Todesstrafe wurde abgeschafft. Hunderttausende verarmter Bauern wurden quasi ins Leben zurückgeholt. Über 100.000 Familien erhielten Grundbesitz. Zweitausend Schulen entstanden. Eine äußerst bemerkenswerte Alphabetisierungskampagne verringerte den Anteil der Analphabeten im Land auf unter ein Siebtel. Freies Bildungswesen und kostenlose Gesundheitsfürsorge wurden eingeführt. Die Kindersterblichkeit ging um ein Drittel zurück. Polio wurde ausgerottet.

Die Vereinigten Staaten denunzierten diese Leistungen als marxistisch-leninistische Unterwanderung. Aus Sicht der US-Regierung war dies ein gefährliches Beispiel. Erlaubte man Nicaragua, elementare Normen sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit zu etablieren, erlaubte man dem Land, den Standard der Gesundheitsfürsorge und des Bildungswesens anzuheben und soziale Einheit und nationale Selbstachtung zu erreichen, würden benachbarte Länder dieselben Fragen stellen und dieselben Dinge tun. Damals regte sich natürlich heftiger Widerstand gegen den in El Salvador herrschenden Status quo.

Ich erwähnte vorhin das Lügengespinst, das uns umgibt. Präsident Reagan beschrieb Nicaragua meist als totalitären Kerker. Die Medien generell und ganz bestimmt die britische Regierung werteten dies als zutreffenden und begründeten Kommentar. Aber tatsächlich gab es keine Berichte über Todesschwadronen unter der sandinistischen Regierung. Es gab keine Berichte über Folterungen. Es gab keine Berichte über systematische oder offiziell autorisierte militärische Brutalität. In Nicaragua wurde nie ein Priester ermordet. Es waren vielmehr drei Priester an der Regierung beteiligt, zwei Jesuiten und ein Missionar des Maryknoll-Ordens. Die totalitären Kerker befanden sich eigentlich nebenan in El Salvador und Guatemala. Die Vereinigten Staaten hatten 1954 die demokratisch gewählte Regierung von Guatemala gestürzt, und Schätzungen zufolge sollen den anschließenden Militärdiktaturen mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen sein.

Sechs der weltweit namhaftesten Jesuiten wurden 1989 in der Central American University in San Salvador von einem Batallion des in Fort Benning, Georgia, USA, ausgebildeten Alcatl-Regiments getötet. Der außergewöhnlich mutige Erzbischof Romero wurde ermordet, als er die Messe las. Schätzungsweise kamen 75.000 Menschen ums Leben. Weshalb wurden sie getötet? Sie wurden getötet, weil sie ein besseres Leben nicht nur für möglich hielten sondern auch verwirklichen wollten. Dieser Glaube stempelte sie sofort zu Kommunisten. Sie starben, weil sie es wagten, den Status quo infrage zu stellen, das endlose Plateau von Armut, Krankheit, Erniedrigung und Unterdrückung, das ihr Geburtsrecht gewesen war.

Die Vereinigten Staaten stürzten schließlich die sandinistische Regierung. Es kostete einige Jahre und beträchtliche Widerstandskraft, doch gnadenlose ökonomische Schikanen und 30.000 Tote untergruben am Ende den Elan des nicaraguanischen Volkes. Es war erschöpft und erneut verarmt. Die Casinos kehrten ins Land zurück. Mit dem kostenlosen Gesundheitsdienst und dem freien Schulwesen war es vorbei. Das Big Business kam mit aller Macht zurück. Die 'Demokratie' hatte sich behauptet.

Doch diese Politik blieb keineswegs auf Mittelamerika beschränkt. Sie wurde in aller Welt betrieben. Sie war endlos. Und es ist, als hätte es sie nie gegeben.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs unterstützten die Vereinigten Staaten jede rechtsgerichtete Militärdiktatur auf der Welt, und in vielen Fällen brachten sie sie erst hervor. Ich verweise auf Indonesien, Griechenland, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Haiti, die Türkei, die Philippinen, Guatemala, El Salvador und natürlich Chile. Die Schrecken, die Amerika Chile 1973 zufügte, können nie gesühnt und nie verziehen werden.

In diesen Ländern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja, es hat sie gegeben, und sie sind der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber davon weiß man natürlich nichts.

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand. Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen. Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben, und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt.

Ich behaupte, die Vereinigten Staaten ziehen die größte Show der Welt ab, ganz ohne Zweifel. Brutal, gleichgültig, verächtlich und skrupellos, aber auch ausgesprochen clever. Als Handlungsreisende stehen sie ziemlich konkurrenzlos da, und ihr Verkaufsschlager heißt Eigenliebe. Ein echter Renner. Man muss nur all die amerikanischen Präsidenten im Fernsehen die Worte sagen hören: das amerikanische Volk, wie zum Beispiel in dem Satz: Ich sage dem amerikanischen Volk, es ist an der Zeit, zu beten und die Rechte des amerikanischen Volkes zu verteidigen, und ich bitte das amerikanische Volk, den Schritten ihres Präsidenten zu vertrauen, die er im Auftrag des amerikanischen Volkes unternehmen wird.

Ein brillanter Trick. Mit Hilfe der Sprache hält man das Denken in Schach. Mit den Worten das amerikanische Volk wird ein wirklich luxuriöses Kissen zur Beruhigung gebildet. Denken ist überflüssig. Man muss sich nur ins Kissen fallen lassen. Möglicherweise erstickt das Kissen die eigene Intelligenz und das eigene Urteilsvermögen, aber es ist sehr bequem. Das gilt natürlich weder für die 40 Millionen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, noch für die 2 Millionen Männer und Frauen, die in dem riesigen Gulag von Gefängnissen eingesperrt sind, der sich über die Vereinigten Staaten erstreckt.

Den Vereinigten Staaten liegt nichts mehr am low intensity conflict. Sie sehen keine weitere Notwendigkeit, sich Zurückhaltung aufzuerlegen oder gar auf Umwegen ans Ziel zu kommen. Sie legen ihre Karten ganz ungeniert auf den Tisch. Sie scheren sich einen Dreck um die Vereinten Nationen, das Völkerrecht oder kritischen Dissens, den sie als machtlos und irrelevant betrachten. Sie haben sogar ein kleines, blökendes Lämmchen, das ihnen an einer Leine hinterher trottelt, das erbärmliche und abgeschlaffte Großbritannien.

Was ist aus unserem sittlichen Empfinden geworden? Hatten wir je eines? Was bedeuten diese Worte? Stehen sie für einen heutzutage äußerst selten gebrauchten Begriff Gewissen? Ein Gewissen nicht nur hinsichtlich unseres eigenen Tuns sondern auch hinsichtlich unserer gemeinsamen Verantwortung für das Tun anderer? Ist all das tot? Nehmen wir Guantanamo Bay. Hunderte von Menschen, seit über drei Jahren ohne Anklage in Haft, ohne gesetzliche Vertretung oder ordentlichen Prozess, im Prinzip für immer inhaftiert. Diese absolut rechtswidrige Situation existiert trotz der Genfer Konvention weiter. Die sogenannte internationale Gemeinschaft toleriert sie nicht nur, sondern verschwendet auch so gut wie keinen Gedanken daran. Diese kriminelle Ungeheuerlichkeit begeht ein Land, das sich selbst zum Anführer der freien Welt erklärt. Denken wir an die Menschen in Guantanamo Bay? Was berichten die Medien über sie? Sie tauchen gelegentlich auf eine kleine Notiz auf Seite sechs. Sie wurden in ein Niemandsland geschickt, aus dem sie womöglich nie mehr zurückkehren. Gegenwärtig sind viele im Hungerstreik, werden zwangsernährt, darunter auch britische Bürger. Zwangsernährung ist kein schöner Vorgang. Weder Beruhigungsmittel noch Betäubung. Man bekommt durch die Nase einen Schlauch in den Hals gesteckt. Man spuckt Blut. Das ist Folter. Was hat der britische Außenminister dazu gesagt? Nichts. Was hat der britische Premierminister dazu gesagt? Nichts. Warum nicht? Weil die Vereinigten Staaten gesagt haben: Kritik an unserem Vorgehen in Guantanamo Bay stellt einen feindseligen Akt dar. Ihr seid entweder für uns oder gegen uns. Also hält Blair den Mund.

Die Invasion des Irak war ein Banditenakt, ein Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus, der die absolute Verachtung des Prinzips von internationalem Recht demonstrierte. Die Invasion war ein willkürlicher Militäreinsatz, ausgelöst durch einen ganzen Berg von Lügen und die üble Manipulation der Medien und somit der Öffentlichkeit; ein Akt zur Konsolidierung der militärischen und ökonomischen Kontrolle Amerikas im mittleren Osten unter der Maske der Befreiung, letztes Mittel, nachdem alle anderen Rechtfertigungen sich nicht hatten rechtfertigen lassen. Eine beeindruckende Demonstration einer Militärmacht, die für den Tod und die Verstümmelung abertausender Unschuldiger verantwortlich ist.

Wir haben dem irakischen Volk Folter, Splitterbomben, abgereichertes Uran, zahllose, willkürliche Mordtaten, Elend, Erniedrigung und Tod gebracht und nennen es dem mittleren Osten Freiheit und Demokratie bringen.

Wie viele Menschen muss man töten, bis man sich die Bezeichnung verdient hat, ein Massenmörder und Kriegsverbrecher zu sein? Einhunderttausend? Mehr als genug, würde ich meinen. Deshalb ist es nur gerecht, dass Bush und Blair vor den Internationalen Strafgerichtshof kommen. Aber Bush war clever. Er hat den Internationalen Strafgerichtshof gar nicht erst anerkannt. Für den Fall, dass sich ein amerikanischer Soldat oder auch ein Politiker auf der Anklagebank wiederfindet, hat Bush damit gedroht, die Marines in den Einsatz zu schicken. Aber Tony Blair hat den Gerichtshof anerkannt und steht für ein Gerichtsverfahren zur Verfügung. Wir können dem Gerichtshof seine Adresse geben, falls er Interesse daran hat. Sie lautet Number 10, Downing Street, London.

Der Tod spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Für Bush und Blair ist der Tod eine Lappalie. Mindestens 100.000 Iraker kamen durch amerikanische Bomben und Raketen um, bevor der irakische Aufstand begann. Diese Menschen sind bedeutungslos. Ihr Tod existiert nicht. Sie sind eine Leerstelle. Sie werden nicht einmal als tot gemeldet. Leichen zählen wir nicht, sagte der amerikanische General Tommy Franks.

Ganz zu Beginn der Invasion veröffentlichten die britischen Zeitungen auf der Titelseite ein Foto von Tony Blair, der einen kleinen irakischen Jungen auf die Wange küsst. Ein dankbares Kind, lautete die Überschrift. Einige Tage später gab es auf einer Innenseite einen Bericht und ein Foto von einem anderen vierjährigen Jungen, ohne Arme. Eine Rakete hatte seine Familie in die Luft gesprengt. Er war der einzige Überlebende. Wann bekomme ich meine Arme wieder? fragte er. Der Bericht wurde nicht weiter verfolgt. Nun, diesen Jungen hielt auch nicht Tony Blair in den Armen, weder ihn noch sonst ein anderes verstümmeltes Kind oder irgendeine blutige Leiche. Blut ist schmutzig. Es verschmutzt einem Hemd und Krawatte, wenn man eine aufrichtige Ansprache im Fernsehen hält.

Die 2000 toten Amerikaner sind peinlich. Sie werden bei Dunkelheit zu ihren Gräbern transportiert. Die Beerdigungen finden dezent statt, an einem sicheren Ort. Die Verstümmelten verfaulen in ihren Betten, manche für den Rest ihres Lebens. Die Toten und die Verstümmelten verfaulen beide, nur in unterschiedlichen Gräbern.

Dies ist ein Stück aus einem Gedicht von Pablo Neruda: Erklärung einiger Dinge:

Und eines Morgens brachen die Flammen aus allem,
und eines Morgens stiegen lodernde Feuer aus der Erde,
verschlangen Leben,
und seither Feuer,
Pulver seither,
und seither Blut.
Banditen mit Flugzeugen und Marokkanern,
Banditen mit Ringen und Herzoginnen,
Banditen mit segnenden schwarzen Mönchen
kamen vom Himmel, um Kinder zu töten,
und durch die Strassen das Blut der Kinder
floss einfach, wie das Blut von Kindern.

Schakale, widerwärtig für einen Schakal,
Steine, auf die die trockene Distel gespien hätte,
Vipern, die Vipern verachten würden!

Vor euch habe ich das Blut Spaniens aufwallen gesehn,
euch zu ersäufen in einer einzigen Woge von Stolz und Messern!

Generäle
Verräter:
seht mein totes Haus,
seht mein zerbrochenes Spanien:
doch aus jedem Haus schiesst brennendes Metall
anstelle von Blumen, aus jedem Loch in Spanien springt Spanien empor,
aus jedem ermordeten Kind wächst ein Gewehr mit Augen,
aus jedem Verbrechen werden Kugeln geboren,
die eines Tages den Sitz eines Herzens finden werden.

Ihr fragt, warum seine Dichtung uns nichts
von der Erde erzählt, von den Blättern,
den großen Vulkanen seines Heimatlandes?

Kommt, seht das Blut in den Strassen,
kommt, seht das Blut in den Straßen,
kommt, seht doch das Blut in den Strassen! *

Ich möchte ganz unmissverständlich sagen, dass ich, indem ich aus Nerudas Gedicht zitiere, keinesfalls das republikanische Spanien mit dem Irak Saddam Husseins vergleiche. Ich zitiere Neruda, weil ich nirgendwo sonst in der zeitgenössischen Lyrik eine so eindringliche, wahre Beschreibung der Bombardierung von Zivilisten gelesen habe.

Ich sagte vorhin, die Vereinigten Staaten würden ihre Karten jetzt völlig ungeniert auf den Tisch legen. Dem ist genau so. Ihre offiziell verlautbarte Politik definiert sich jetzt als full spectrum dominance. Der Begriff stammt nicht von mir sondern von ihnen. Full spectrum dominance bedeutet die Kontrolle über Land, Meer, Luft und Weltraum, sowie aller zugehörigen Ressourcen.

Die Vereinigten Staaten besitzen, über die ganze Welt verteilt, 702 militärische Anlagen in 132 Ländern, mit der rühmlichen Ausnahme Schwedens natürlich. Wir wissen nicht ganz genau, wie sie da hingekommen sind, aber sie sind jedenfalls da.

Die Vereinigten Staaten verfügen über 8000 aktive und operative Atomsprengköpfe. Zweitausend davon sind sofort gefechtsbereit und können binnen 15 Minuten abgefeuert werden. Es werden jetzt neue Nuklearwaffensysteme entwickelt, bekannt als Bunker-Busters. Die stets kooperativen Briten planen, ihre eigene Atomrakete Trident zu ersetzen. Wen, frage ich mich, haben sie im Visier? Osama Bin Laden? Sie? Mich? Joe Dokes? China? Paris? Wer weiß das schon? Eines wissen wir allerdings, nämlich dass dieser infantile Irrsinn der Besitz und angedrohte Einsatz von Nuklearwaffen den Kern der gegenwärtigen politischen Philosophie Amerikas bildet. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass sich die Vereinigten Staaten dauerhaft im Kriegszustand befinden und mit nichts zu erkennen geben, dass sie diese Haltung aufgeben.

Abertausende wenn nicht gar Millionen Menschen in den USA sind nachweislich angewidert, beschämt und erzürnt über das Vorgehen ihrer Regierung, aber so wie die Dinge stehen, stellen sie keine einheitliche politische Macht dar noch nicht. Doch die Besorgnis, Unsicherheit und Angst, die wir täglich in den Vereinigten Staaten wachsen sehen können, werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schwinden.

Ich weiß, dass Präsident Bush zahlreiche ausgesprochen fähige Redenschreiber hat, aber ich möchte mich freiwillig für den Job melden. Ich schlage folgende kurze Ansprache vor, die er im Fernsehen an die Nation halten kann. Ich sehe ihn vor mir: feierlich, penibel gekämmt, ernst, gewinnend, aufrichtig, oft verführerisch, manchmal mit einem bitteren Lächeln, merkwürdig anziehend, ein echter Mann.

"Gott ist gut. Gott ist groß. Gott ist gut. Mein Gott ist gut. Bin Ladens Gott ist böse. Er ist ein böser Gott. Saddams Gott war böse, wenn er einen gehabt hätte. Er war ein Barbar. Wir sind keine Barbaren. Wir hacken Menschen nicht den Kopf ab. Wir glauben an die Freiheit. So wie Gott. Ich bin kein Barbar. Ich bin der demokratisch gewählte Anführer einer freiheitsliebenden Demokratie. Wir sind eine barmherzige Gesellschaft. Wir gewähren einen barmherzigen Tod auf dem elektrischen Stuhl und durch barmherzige Todesspritzen. Wir sind eine große Nation. Ich bin kein Diktator. Er ist einer. Ich bin kein Barbar. Er ist einer. Und er auch. Die alle da. Ich besitze moralische Autorität. Seht ihr diese Faust? Das ist meine moralische Autorität. Und vergesst das bloß nicht."

Das Leben eines Schriftstellers ist ein äußerst verletzliches, fast schutzloses Dasein. Darüber muss man keine Tränen vergießen. Der Schriftsteller trifft seine Wahl und hält daran fest. Es stimmt jedoch, dass man allen Winden ausgesetzt ist, und einige sind wirklich eisig. Man ist auf sich allein gestellt, in exponierter Lage. Man findet keine Zuflucht, keine Deckung es sei denn, man lügt in diesem Fall hat man sich natürlich selber in Deckung gebracht und ist, so ließe sich argumentieren, Politiker geworden.

Ich habe heute Abend etliche Male vom Tod gesprochen. Ich werde jetzt ein eigenes Gedicht zitieren. Es heißt Tod.

Wo fand man den Toten?
Wer fand den Toten?
War der Tote tot, als man ihn fand?
Wie fand man den Toten?

Wer war der Tote?

Wer war der Vater oder die Tochter oder der Bruder
Oder der Onkel oder die Schwester oder die Mutter oder der Sohn
Des toten und verlassenen Toten?

War er tot, als er verlassen wurde?
War er verlassen?
Wer hatte ihn verlassen?

War der Tote nackt oder gekleidet für eine Reise?

Warum haben Sie den Toten für tot erklärt?
Haben Sie den Toten für tot erklärt?
Wie gut haben Sie den Toten gekannt?
Woher wussten sie, dass der Tote tot war?

Haben Sie den Toten gewaschen
Haben Sie ihm beide Augen geschlossen
Haben Sie ihn begraben
Haben Sie ihn verlassen
Haben Sie den Toten geküsst**

Blicken wir in einen Spiegel, dann halten wir das Bild, das uns daraus entgegensieht, für akkurat. Aber bewegt man sich nur einen Millimeter, verändert sich das Bild. Wir sehen im Grunde eine endlose Reihe von Spiegelungen. Aber manchmal muss ein Schriftsteller den Spiegel zerschlagen denn von der anderen Seite dieses Spiegels blickt uns die Wahrheit ins Auge.

Ich glaube, dass den existierenden, kolossalen Widrigkeiten zum Trotz die unerschrockene, unbeirrbare, heftige intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende Verpflichtung darstellt, die uns allen zufllt. Sie ist in der Tat zwingend notwendig.

Wenn sich diese Entschlossenheit nicht in unserer politischen Vision verkörpert, bleiben wir bar jeder Hoffnung, das wiederherzustellen, was wir schon fast verloren haben die Würde des Menschen. Übersetzung von Michael Walter

* aus Pablo Neruda: Dritter Aufenthalt auf Erden, 1937/1947. Übersetzt von Erich Arendt, in Der unsichtbare Fluss ein Lesebuch herausgegeben von Victor Farias. Luchterhand, Hamburg, 1994.
** aus Harold Pinter: Krieg. Übersetzt von Elisabeth Plessen und Peter Zadek. Rogner und Bernhard, Hamburg, 2003.


...excerpts from English speech:

In 1958 I wrote the following:
'There are no hard distinctions between what is real and what is unreal, nor between what is true and what is false. A thing is not necessarily either true or false; it can be both true and false.'
I believe that these assertions still make sense and do still apply to the exploration of reality through art. So as a writer I stand by them but as a citizen I cannot. As a citizen I must ask: What is true? What is false?

(...)

Political language, as used by politicians, does not venture into any of this territory since the majority of politicians, on the evidence available to us, are interested not in truth but in power and in the maintenance of that power. To maintain that power it is essential that people remain in ignorance, that they live in ignorance of the truth, even the truth of their own lives. What surrounds us therefore is a vast tapestry of lies, upon which we feed.


(...)

As every single person here knows, the justification for the invasion of Iraq was that Saddam Hussein possessed a highly dangerous body of weapons of mass destruction, some of which could be fired in 45 minutes, bringing about appalling devastation. We were assured that was true. It was not true. We were told that Iraq had a relationship with Al Quaeda and shared responsibility for the atrocity in New York of September 11th 2001. We were assured that this was true. It was not true. We were told that Iraq threatened the security of the world. We were assured it was true. It was not true.

The truth is something entirely different. The truth is to do with how the United States understands its role in the world and how it chooses to embody it.

But before I come back to the present I would like to look at the recent past, by which I mean United States foreign policy since the end of the Second World War. I believe it is obligatory upon us to subject this period to at least some kind of even limited scrutiny, which is all that time will allow here.

Everyone knows what happened in the Soviet Union and throughout Eastern Europe during the post-war period: the systematic brutality, the widespread atrocities, the ruthless suppression of independent thought. All this has been fully documented and verified.

But my contention here is that the US crimes in the same period have only been superficially recorded, let alone documented, let alone acknowledged, let alone recognised as crimes at all. I believe this must be addressed and that the truth has considerable bearing on where the world stands now. Although constrained, to a certain extent, by the existence of the Soviet Union, the United States' actions throughout the world made it clear that it had concluded it had carte blanche to do what it liked.

Direct invasion of a sovereign state has never in fact been America's favoured method. In the main, it has preferred what it has described as 'low intensity conflict'. Low intensity conflict means that thousands of people die but slower than if you dropped a bomb on them in one fell swoop. It means that you infect the heart of the country, that you establish a malignant growth and watch the gangrene bloom. When the populace has been subdued or beaten to death the same thing and your own friends, the military and the great corporations, sit comfortably in power, you go before the camera and say that democracy has prevailed. This was a commonplace in US foreign policy in the years to which I refer.

The tragedy of Nicaragua was a highly significant case. I choose to offer it here as a potent example of America's view of its role in the world, both then and now.

I was present at a meeting at the US embassy in London in the late 1980s.

The United States Congress was about to decide whether to give more money to the Contras in their campaign against the state of Nicaragua. I was a member of a delegation speaking on behalf of Nicaragua but the most important member of this delegation was a Father John Metcalf. The leader of the US body was Raymond Seitz (then number two to the ambassador, later ambassador himself). Father Metcalf said: 'Sir, I am in charge of a parish in the north of Nicaragua. My parishioners built a school, a health centre, a cultural centre. We have lived in peace. A few months ago a Contra force attacked the parish. They destroyed everything: the school, the health centre, the cultural centre. They raped nurses and teachers, slaughtered doctors, in the most brutal manner. They behaved like savages. Please demand that the US government withdraw its support from this shocking terrorist activity.'

Raymond Seitz had a very good reputation as a rational, responsible and highly sophisticated man. He was greatly respected in diplomatic circles. He listened, paused and then spoke with some gravity. 'Father,' he said, 'let me tell you something. In war, innocent people always suffer.' There was a frozen silence. We stared at him. He did not flinch.

Innocent people, indeed, always suffer.

Finally somebody said: 'But in this case innocent people were the victims of a gruesome atrocity subsidised by your government, one among many. If Congress allows the Contras more money further atrocities of this kind will take place. Is this not the case? Is your government not therefore guilty of supporting acts of murder and destruction upon the citizens of a sovereign state?'

Seitz was imperturbable. 'I don't agree that the facts as presented support your assertions,' he said.

As we were leaving the Embassy a US aide told me that he enjoyed my plays. I did not reply.

I should remind you that at the time President Reagan made the following statement: 'The Contras are the moral equivalent of our Founding Fathers.'

The United States supported the brutal Somoza dictatorship in Nicaragua for over 40 years. The Nicaraguan people, led by the Sandinistas, overthrew this regime in 1979, a breathtaking popular revolution.

The Sandinistas weren't perfect. They possessed their fair share of arrogance and their political philosophy contained a number of contradictory elements. But they were intelligent, rational and civilised. They set out to establish a stable, decent, pluralistic society. The death penalty was abolished. Hundreds of thousands of poverty-stricken peasants were brought back from the dead. Over 100,000 families were given title to land. Two thousand schools were built. A quite remarkable literacy campaign reduced illiteracy in the country to less than one seventh. Free education was established and a free health service. Infant mortality was reduced by a third. Polio was eradicated.

The United States denounced these achievements as Marxist/Leninist subversion. In the view of the US government, a dangerous example was being set. If Nicaragua was allowed to establish basic norms of social and economic justice, if it was allowed to raise the standards of health care and education and achieve social unity and national self respect, neighbouring countries would ask the same questions and do the same things. There was of course at the time fierce resistance to the status quo in El Salvador.

I spoke earlier about 'a tapestry of lies' which surrounds us. President Reagan commonly described Nicaragua as a 'totalitarian dungeon'. This was taken generally by the media, and certainly by the British government, as accurate and fair comment. But there was in fact no record of death squads under the Sandinista government. There was no record of torture. There was no record of systematic or official military brutality. No priests were ever murdered in Nicaragua. There were in fact three priests in the government, two Jesuits and a Maryknoll missionary. The totalitarian dungeons were actually next door, in El Salvador and Guatemala. The United States had brought down the democratically elected government of Guatemala in 1954 and it is estimated that over 200,000 people had been victims of successive military dictatorships.

Six of the most distinguished Jesuits in the world were viciously murdered at the Central American University in San Salvador in 1989 by a battalion of the Alcatl regiment trained at Fort Benning, Georgia, USA. That extremely brave man Archbishop Romero was assassinated while saying mass. It is estimated that 75,000 people died. Why were they killed? They were killed because they believed a better life was possible and should be achieved. That belief immediately qualified them as communists. They died because they dared to question the status quo, the endless plateau of poverty, disease, degradation and oppression, which had been their birthright.

The United States finally brought down the Sandinista government. It took some years and considerable resistance but relentless economic persecution and 30,000 dead finally undermined the spirit of the Nicaraguan people. They were exhausted and poverty stricken once again. The casinos moved back into the country. Free health and free education were over. Big business returned with a vengeance. 'Democracy' had prevailed.

But this 'policy' was by no means restricted to Central America. It was conducted throughout the world. It was never-ending. And it is as if it never happened.

The United States supported and in many cases engendered every right wing military dictatorship in the world after the end of the Second World War. I refer to Indonesia, Greece, Uruguay, Brazil, Paraguay, Haiti, Turkey, the Philippines, Guatemala, El Salvador, and, of course, Chile. The horror the United States inflicted upon Chile in 1973 can never be purged and can never be forgiven.
Hundreds of thousands of deaths took place throughout these countries. Did they take place? And are they in all cases attributable to US foreign policy? The answer is yes they did take place and they are attributable to American foreign policy. But you wouldn't know it.

It never happened. Nothing ever happened. Even while it was happening it wasn't happening. It didn't matter. It was of no interest. The crimes of the United States have been systematic, constant, vicious, remorseless, but very few people have actually talked about them. You have to hand it to America. It has exercised a quite clinical manipulation of power worldwide while masquerading as a force for universal good. It's a brilliant, even witty, highly successful act of hypnosis.

I put to you that the United States is without doubt the greatest show on the road. Brutal, indifferent, scornful and ruthless it may be but it is also very clever. As a salesman it is out on its own and its most saleable commodity is self love. It's a winner. Listen to all American presidents on television say the words, 'the American people', as in the sentence, 'I say to the American people it is time to pray and to defend the rights of the American people and I ask the American people to trust their president in the action he is about to take on behalf of the American people.'

It's a scintillating stratagem. Language is actually employed to keep thought at bay. The words 'the American people' provide a truly voluptuous cushion of reassurance. You don't need to think. Just lie back on the cushion. The cushion may be suffocating your intelligence and your critical faculties but it's very comfortable. This does not apply of course to the 40 million people living below the poverty line and the 2 million men and women imprisoned in the vast gulag of prisons, which extends across the US.

The United States no longer bothers about low intensity conflict. It no longer sees any point in being reticent or even devious. It puts its cards on the table without fear or favour. It quite simply doesn't give a damn about the United Nations, international law or critical dissent, which it regards as impotent and irrelevant. It also has its own bleating little lamb tagging behind it on a lead, the pathetic and supine Great Britain.

What has happened to our moral sensibility? Did we ever have any? What do these words mean? Do they refer to a term very rarely employed these days conscience? A conscience to do not only with our own acts but to do with our shared responsibility in the acts of others? Is all this dead? Look at Guantanamo Bay. Hundreds of people detained without charge for over three years, with no legal representation or due process, technically detained forever. This totally illegitimate structure is maintained in defiance of the Geneva Convention. It is not only tolerated but hardly thought about by what's called the 'international community'. This criminal outrage is being committed by a country, which declares itself to be 'the leader of the free world'. Do we think about the inhabitants of Guantanamo Bay? What does the media say about them? They pop up occasionally a small item on page six. They have been consigned to a no man's land from which indeed they may never return. At present many are on hunger strike, being force-fed, including British residents. No niceties in these force-feeding procedures. No sedative or anaesthetic. Just a tube stuck up your nose and into your throat. You vomit blood. This is torture. What has the British Foreign Secretary said about this? Nothing. What has the British Prime Minister said about this? Nothing. Why not? Because the United States has said: to criticise our conduct in Guantanamo Bay constitutes an unfriendly act. You're either with us or against us. So Blair shuts up.

The invasion of Iraq was a bandit act, an act of blatant state terrorism, demonstrating absolute contempt for the concept of international law. The invasion was an arbitrary military action inspired by a series of lies upon lies and gross manipulation of the media and therefore of the public; an act intended to consolidate American military and economic control of the Middle East masquerading as a last resort all other justifications having failed to justify themselves as liberation. A formidable assertion of military force responsible for the death and mutilation of thousands and thousands of innocent people.

We have brought torture, cluster bombs, depleted uranium, innumerable acts of random murder, misery, degradation and death to the Iraqi people and call it 'bringing freedom and democracy to the Middle East'.

How many people do you have to kill before you qualify to be described as a mass murderer and a war criminal? One hundred thousand? More than enough, I would have thought. Therefore it is just that Bush and Blair be arraigned before the International Criminal Court of Justice. But Bush has been clever. He has not ratified the International Criminal Court of Justice. Therefore if any American soldier or for that matter politician finds himself in the dock Bush has warned that he will send in the marines. But Tony Blair has ratified the Court and is therefore available for prosecution. We can let the Court have his address if they're interested. It is Number 10, Downing Street, London.

Death in this context is irrelevant. Both Bush and Blair place death well away on the back burner. At least 100,000 Iraqis were killed by American bombs and missiles before the Iraq insurgency began. These people are of no moment. Their deaths don't exist. They are blank. They are not even recorded as being dead. 'We don't do body counts,' said the American general Tommy Franks.

Early in the invasion there was a photograph published on the front page of British newspapers of Tony Blair kissing the cheek of a little Iraqi boy. 'A grateful child,' said the caption. A few days later there was a story and photograph, on an inside page, of another four-year-old boy with no arms. His family had been blown up by a missile. He was the only survivor. 'When do I get my arms back?' he asked. The story was dropped. Well, Tony Blair wasn't holding him in his arms, nor the body of any other mutilated child, nor the body of any bloody corpse. Blood is dirty. It dirties your shirt and tie when you're making a sincere speech on television.

The 2,000 American dead are an embarrassment. They are transported to their graves in the dark. Funerals are unobtrusive, out of harm's way. The mutilated rot in their beds, some for the rest of their lives. So the dead and the mutilated both rot, in different kinds of graves.

Here is an extract from a poem by Pablo Neruda, 'I'm Explaining a Few Things':


And one morning all that was burning,
one morning the bonfires
leapt out of the earth
devouring human being
sand from then on fire,
gunpowder from then on,
and from then on blood.
Bandits with planes and Moors,
bandits with finger-rings and duchesses,
bandits with black friars spattering blessings
came through the sky to kill children
and the blood of children ran through the streets
without fuss, like children's blood.

Jackals that the jackals would despise
stones that the dry thistle would bite on and spit out,
vipers that the vipers would abominate.

Face to face with you I have seen the blood
of Spain tower like a tide
to drown you in one wave
of pride and knives.

Treacherousgenerals:
see my dead house,
look at broken Spain:
from every house
burning metal flowsinstead of flowers
from every socket of Spain
Spain emerges
and from every dead child a rifle with eyes
and from every crime bullets are born
which will one day find
the bull's eye of your hearts.

And you will ask: why doesn't his poetry
speak of dreams and leaves
and the great volcanoes of his native land.

Come and see the blood in the streets.
Come and see
the blood in the streets.
Come and see the bloodin the streets!

Let me make it quite clear that in quoting from Neruda's poem I am in no way comparing Republican Spain to Saddam Hussein's Iraq. I quote Neruda because nowhere in contemporary poetry have I read such a powerful visceral description of the bombing of civilians.

I have said earlier that the United States is now totally frank about putting its cards on the table. That is the case. Its official declared policy is now defined as 'full spectrum dominance'. That is not my term, it is theirs. 'Full spectrum dominance' means control of land, sea, air and space and all attendant resources.

The United States now occupies 702 military installations throughout the world in 132 countries, with the honourable exception of Sweden, of course. We don't quite know how they got there but they are there all right.

The United States possesses 8,000 active and operational nuclear warheads. Two thousand are on hair trigger alert, ready to be launched with 15 minutes warning. It is developing new systems of nuclear force, known as bunker busters. The British, ever cooperative, are intending to replace their own nuclear missile, Trident. Who, I wonder, are they aiming at? Osama bin Laden? You? Me? Joe Dokes? China? Paris? Who knows? What we do know is that this infantile insanity the possession and threatened use of nuclear weapons is at the heart of present American political philosophy. We must remind ourselves that the United States is on a permanent military footing and shows no sign of relaxing it.

Many thousands, if not millions, of people in the United States itself are demonstrably sickened, shamed and angered by their government's actions, but as things stand they are not a coherent political force yet. But the anxiety, uncertainty and fear which we can see growing daily in the United States is unlikely to diminish.

I know that President Bush has many extremely competent speech writers but I would like to volunteer for the job myself. I propose the following short address which he can make on television to the nation. I see him grave, hair carefully combed, serious, winning, sincere, often beguiling, sometimes employing a wry smile, curiously attractive, a man's man.

'God is good. God is great. God is good. My God is good. Bin Laden's God is bad. His is a bad God. Saddam's God was bad, except he didn't have one. He was a barbarian. We are not barbarians. We don't chop people's heads off. We believe in freedom. So does God. I am not a barbarian. I am the democratically elected leader of a freedom-loving democracy. We are a compassionate society. We give compassionate electrocution and compassionate lethal injection. We are a great nation. I am not a dictator. He is. I am not a barbarian. He is. And he is. They all are. I possess moral authority. You see this fist? This is my moral authority. And don't you forget it.'

A writer's life is a highly vulnerable, almost naked activity. We don't have to weep about that. The writer makes his choice and is stuck with it. But it is true to say that you are open to all the winds, some of them icy indeed. You are out on your own, out on a limb. You find no shelter, no protection unless you lie in which case of course you have constructed your own protection and, it could be argued, become a politician.

I have referred to death quite a few times this evening. I shall now quote a poem of my own called 'Death'.

Where was the dead body found?
Who found the dead body?
Was the dead body dead when found?
How was the dead body found?

Who was the dead body?

Who was the father or daughter or brother
Or uncle or sister or mother or son
Of the dead and abandoned body?
Was the body dead when abandoned?
Was the body abandoned?
By whom had it been abandoned?

Was the dead body naked or dressed for a journey?

What made you declare the dead body dead?
Did you declare the dead body dead?
How well did you know the dead body?
How did you know the dead body was dead?

Did you wash the dead body
Did you close both its eyes
Did you bury the body
Did you leave it abandoned
Did you kiss the dead body

When we look into a mirror we think the image that confronts us is accurate. But move a millimetre and the image changes. We are actually looking at a never-ending range of reflections. But sometimes a writer has to smash the mirror for it is on the other side of that mirror that the truth stares at us.

I believe that despite the enormous odds which exist, unflinching, unswerving, fierce intellectual determination, as citizens, to define the real truth of our lives and our societies is a crucial obligation which devolves upon us all. It is in fact mandatory.

If such a determination is not embodied in our political vision we have no hope of restoring what is so nearly lost to us the dignity of man.


* Extract from "I'm Explaining a Few Things" translated by Nathaniel Tarn, from Pablo Neruda: Selected Poems, published by Jonathan Cape, London 1970. Used by permission of The Random House Group Limited.

THE NOBEL FOUNDATION 2005

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Freitag, November 25, 2005

gloomy thoughts

Two bad news I´d like to comment, one concerning AIESEC, one not. Both are not related to each other (apart from being both, well, bad.)

number one:
Russia sends international NGO’s packing.

Well, not exactly packing. International (or, more precisely: foreign) NGO´s will have to set up a foundation under russian law to continue working. This applies to, among others, relief organisations, human rights organisations, environmentalists. Only Russians or foreign nationals with longterm residence permit can be representatives of the new russian foundations .

The Duma’s intend is to prevent “revolution- viruses” from infesting russia (2) will make the work of many NGO’s impossible, whether they are politically active or not. Apparently the “colored revolutions” of Russia's neighbours scared some people in the Kremlin more than it should in a democratic country.

The risk of misusing this lawis high, and the potential implications of this news are not quite apt to make me sleep better. This government has shown very clearly what happens with people who interfere with it’s interests (Yukos, anyone?). The high oil prize sends money flushing in Russia’s cash box, money it uses (among other things, granted) to modernize it’s army while it should (in an ideal world) go into cleaning up the environmental messes caused in Siberia over the last decades or improving their people’s standard of living.

My hope is that these measures will only apply to organisations that are “financed through state channels of other countries” (3) and that are politically active, and will thus hamper NGO’s associated with AIESEC in Russia not too much. But should other, not-so-much-politically-active NGO’s (for example, environmentalists) be hassled on the grounds of the law, ...well,... the official justification of the law (money laundering, see (4, 5) ) is in my opinion nonsense and does not bode well for the near future.

some articles (partially german) about that:
(1)
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=p&ressort=a&id=521843
(2) http://www.nzz.ch/2005/11/24/al/articleDCQPM.html
(3) http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/europe/4466870.stm
(4) http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/europe/4463514.stm
(5) http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/europe/4462366.stm


number two:
The U.S. FED (Federal Reserve Bank) stops publicising M3, the “wide-range monetary aggregate for the U.S. economy” (6, 7).

OK, this one will probably interest only economics- and finance- geeks, but I think it’s worth spending a little time to reflect on the matter.

M3 is used to measure the overall amount of money that is available to an enonomy (or better: that exists). To dumb it down: The more of a good is available, the less value each unit of that good has. Sand is nearly worthless because there is an almost infinite amount of it. A certain misprinted stamp from Mauritius is worth millions because only a very few are known to exist. The more Dollars exist, the less valuable each $ is.
M3 includes M2 (which, in turn, is comprised of M2 plus several other economic stuff) plus “large denomination certificates of deposit, institutional money market mutual funds, repurchase agreements, and Eurodollars” (7).

If only M3 would be published no more by the FED, it would be easy to generate it out of it’s components; it would be a bit more cumbersome but that’s what computers are for. But not only M3 will vanish into thin air: “large-denomination time deposits, repurchase agreements (RPs), and Eurodollars” will disapear too (6). Thus, after March 23, 2006 it will be impossible to know for certain how large the amount of the world’s most important currency is. Scary? At least for me.

I can understand when countries like pre-coldwar- Russia or China withhold such “vital” numbers. I don´t like it, but I see the reasons they have. I can see the ground on which they act. The thing that scares me is that I can find no such reason for America’s FED without sliding into the camp of the “conspirationalists”, or to be more polite (and true to my own appreciation of them): people thinking outside the box.

One “X-file” - possibility for the FED’s decision could be that Fanny Mae, Ginnie Mae and Freddie Mac are in a worse financial condition than it already appears, and will get into further trouble, should the american “housing bubble” burst (8: posted by “eurokiwi” nov. 19th, 06:53 pm). Without the duty to make it’s actions public, the FED could step in and save the three, and no one will any wiser. ...at least that’s what the FED might think (according to the X-file – camp). I am not sure that it’s so easy to safe the three financial giants, should they get into trouble even more serious than the one they have right now.

Others view the whole thing from a different angle, and even more gloomy:
...In this regard, as this information is of importance to us, the primary concern is they are effectively removing all of our reliable tools to discern exactly what they are doing, where for all intents and purposes, they will be able to debase the Dollar at any rate they wish after March of next year, and nobody, including other governments, will be the wiser.
For this reason, expect similar announcements from concerned US trading partners soon, where in effect, this is as big a deal as Nixon closing the 'gold window' back in '71, and we all know what happened after that.” (9)

I am sure we will hear about this more in the near future. If you see a reasonable explanation for the FED’s behavior, please show me. So far I haven’t found any.


...but as always, there's a funny side too:


(6) http://www.federalreserve.gov/releases/h6/discm3.htm
(7) http://www.amosweb.com/cgi-bin/gls.pl?fcd=dsp&key=M3
(8) http://www2.oanda.com/cgi-bin/msgboard/ultimatebb.cgi?ubb=get_topic;f=16;t=004966
(9)
http://www.safehaven.com/article-4134.htm

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